08.06.2012 Seminar der Arbeitsgruppe „Erneuerbare Energien im grenzüberschreitenden Kontext“ in Lauterbourg

Mit der 2010 vorgestellten Energiestrategie 2020 hat sich die Europäische Union (EU) ambitionierte Ziele in Sachen Energiepolitik gesetzt. Neben der Steigerung der Energieeffizienz, der Durchsetzung des EU-Energiebinnenmarktes und der Weiterentwicklung von Energietechnologien soll vor allem die Netzinfrastruktur ausgebaut werden. Grenzüberschreitende Strom- und Gasnetze werden forciert. Und obwohl weder Klima noch Energie Grenzen kennen, gibt es gerade in den Grenzregionen Probleme bei der Umsetzung gemeinschaftlicher Energiepolitik. Die grenzüberschreitenden Regionen sehen sich mit raumordnerischen und förderpolitischen Herausforderungen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene konfrontiert.

Anlässlich dieser Problematik fand vom 29. bis 30. Mai 2012 ein Seminar der Arbeitsgruppe „Erneuerbare Energien im grenzüberschreitenden Kontext“ in Lauterbourg (Frankreich) statt. Die Arbeitsgruppe wurde von Vertretern der „Mission Opérationnelle Transfrontalière“ (MOT, Paris) sowie des „Eurodistrict Regio Palatinat du Sud, Nord Alsace, Mittlerer Oberrhein“ (PAMINA) initiiert und hat zum Ziel, bisherige Ansätze grenzüberschreitender Zusammenarbeit im Kontext der Erneuerbaren Energien zu überdenken und Partnerschaften weiterzuentwickeln. U.A. waren Vertreter verschiedener Interreg-Projekte, so auch die EffizienzOffensiveEnergie Rheinland-Pfalz (EOR), zum gemeinsamen Treffen eingeladen. 

Ziel des Workshops war es, über Herangehensweisen und Potentiale im Bereich Erneuerbare Energien in grenzüberschreitenden Räumen zu diskutieren. Gefragt wurde, wie sich grenzüberschreitende Räume in Anbetracht dieser Herausforderungen positionieren und wie sie eine aktive und effiziente Kooperationspolitik gestalten können. Welche Strategien und Instrumente benötigen grenzüberschreitende Räume, um die Ziele der EU-Energiestrategie bis 2020 zu erreichen?
Der zweitägige Ideenworkshop in Lauterbourg begann mit einer thematischen Einführung durch den Leiter der MOT, Jean Peyrony, sowie Catherine Ledig, Direktorin der Association pour le développment des entreprises et des compétences (ADEC).

In der anschließenden Podiumsdiskussion kamen Experten zu Wort, die über Best-Practice-Beispiele und Potentiale von Grenzräumen im Bereich Erneuerbare Energien berichteten. Jost Eberhard vom Planungsbüro Heide und Eberhard informierte über eine Potentialstudie für ein nachhaltiges Energiemanagement in der Region Venlo sowie in den Kommunen Geldern und Straelen. Während in Deutschland eine Vielzahl von Windrädern im Grenzraum zu finden ist, sucht man sie auf der niederländischen Seite vergebens – ein deutliches Beispiel für die unterschiedliche Bewertung und Nutzung von Potentialen. Vulla Parasote, Projektmanagerin im Energie-Netzwerk TRION, berichtete über grenzüberschreitende Maßnahmen am Oberrhein. Der Informationsaustausch endete mit einem Referat über die grenzüberschreitende Projektierung von Erneuerbaren Energien. Der Referent Michael Linder ist Projektentwickler einer Solar-Bürger-Genossenschaft.

Die zweite Podiumsdiskussion hatte „Methoden und Techniken für einen lokalen Energiemix bis 2020“ zum Thema. Thomas Schnepf von der Stabsstelle Strategische Planung der Stadtwerke Karlsruhe GmbH informierte über Erneuerbare Energien bei den Stadtwerken Karlsruhe. Durch die Erkrankung von Jean-Luc Westphal, Direktor der Hanau Energies, welcher ein Projekt aus dem Nordelsass vorstellen wollte, schloss Catherine Ledig (ADEC) mit der Vorstellung ausgewählter Projekte den Tag ab. Lob fand in diesem Rahmen das Projekt EnEFF (Grenzüberschreitendes Netzwerk Erneuerbare Energien / Energieeffizienz), an welchem die EOR als Projektpartner beteiligt ist. Catherine Ledig wies noch einmal auf die steigende Zahl grenzüberschreitender Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz hin.

Die sich in den Diskussionen abzeichnenden Schwerpunktthemen wurden als Arbeitsthemen für den folgenden Veranstaltungstag festgelegt. Der rege Austausch wurde beim gemeinsamen Abendessen fortgeführt.
Der zweite Seminartag stand im Zeichen eines gemeinsamen Brainstormings. Herausforderungen, mögliche Instrumente und Strategien für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit wurden zusammengestellt. Patrice Harster (PAMINA) zeigte sich zuversichtlich, die reichhaltige Ideensammlung für die (Weiter-) Entwicklung der Kooperationen nutzen zu können.

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit habe laut Teilnehmer die Identifizierung möglicher Partner sowie die Zusammenlegung der Potentiale zur Voraussetzung. Zu Beginn stünde auch eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Ressourcen und der Infrastruktur auf dem Plan. Eine erfolgreiche Partnerschaft lasse sich nur zusammen realisieren, eine grenzüberschreitende Verwaltung müsse hier volle Unterstützung bieten. Die Information der Bürger spiele ebenfalls eine große Rolle. Als wichtige Instrumente für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit wurden die Erstellung einer Datenbank, Öffentlichkeitsarbeit sowie ein Handbuch mit Good-Practice-Beispielen identifiziert. Um die grenzüberschreitenden Räume bei der Vorgehensweise zu unterstützen, wurde die Erstellung eines Pflichtenheftes vorgeschlagen.

Frédérique Berrod, stellvertretende Direktorin des Centre d’Ètudes Internationales et Européennes (CEIE), gab abschließend praktische Empfehlungen für eine effiziente Berücksichtigung der grenzüberschreitenden Dimension im Rahmen des europäischen Rechts. Trotz der europäischen Stromrichtlinie gebe es 27 nationale Gesetzgebungen, die zu Divergenzen in der Preispolitik führen. Eine Harmonisierung des EU-Energiebinnenmarktes stelle ihrer Meinung nach eine impraktikable Lösung dar. Frédérique Berrod plädierte für die Schaffung einer Energiebörse sowie die Einführung so genannter Smart Grids.

Zum Ende der Veranstaltung wurde die äußerst konstruktive Zusammenarbeit unter den Teilnehmern herausgestellt, die zu Impulsen für die Praxis führte. Ein weiteres Treffen wurde vereinbart.

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