30.06.2012 Energieeffizienz anstatt Energiearmut!

Ein Schwerpunkt des deutsch-französischen Projekts „Grenzüberschreitendes Netzwerk Energieeffizienz/Erneuerbare Energien“ (ENEFF) ist der Erfahrungsaustausch im Bereich sozialer Wohnungsbau und Energieeffizienz. Zu diesem Thema wurde am 26. Juni im lothringischen Hambach die Konferenz „Energieeffizienz von Wohngebäuden: der soziale Faktor!“ veranstaltet.

Rund 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Lothringen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz diskutierten im Kommunikationszentrum Smart über das Phänomen der Energiearmut, das sich in beiden Ländern mehr und mehr zu einem Alltagsproblem entwickelt. Steigende Energiepreise führen dazu, dass viele – insbesondere einkommensschwache Haushalte – ihre Energierechnungen nicht bezahlen können. Diesen Haushalten wird dann häufig der Strom abgedreht. Die Konferenz hat sich zum Ziel gesetzt, Mittel und Möglichkeiten zu ergründen, die Energieeffizienz von Wohnbauten zu steigern, die Energieeffizienz zu senken und damit die Zahlungsfähigkeit der Haushalte zu steigern. Im Zentrum des Projekts, das im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative Interreg IVa gefördert wird, stehen der Wissenstransfer, der Erfahrungsaustausch und die Netzwerkbildung zwischen Akteuren in Deutschland und Frankreich. Konsens herrschte unter den Teilnehmern im Hinblick auf die Notwendigkeit soziale Belange im Bereich des energieeffizienten Wohnungsbaus zu diskutieren. Es gilt auszuloten, auf welche Weise qualitativ hochwertige und energieeffiziente Gebäude allen Bevölkerungsschichten zur Verfügung gestellt werden können.

In den Eröffnungsvorträgen wurde herausgestellt, dass sowohl in Deutschland als auch in Frankreich über das Thema Energiearmut diskutiert werde. Unstrittig sei, dass es in beiden Ländern einen wachsenden Anteil an Haushalten gibt, die ihre Energierechnung nicht bezahlen können. Die Referenten betonten, dass die Verbesserung der Energieeffizienz, die Nutzung Erneuerbarer Energien und die Sicherstellung der energetischen Versorgungssicherheit zentrale Herausforderungen im Bereich Wohnungsbau seien. Wohnen und die Energieversorgung müssten bezahlbar bleiben.

Die Referenten aus Frankreich und Deutschland stellten unterschiedliche Förderprogramme und staatliche Hilfen zur Energieeffizienz im Gebäudebereich vor. Gerade die flächendeckende energetische Sanierung des Wohngebäudebestandes sei ein wichtiger Schlüssel zum Klimaschutz und zu einer preisgünstigen, zukunftssicheren Energieversorgung. Die Referenten betonten, dass nicht nur steigende Energiekosten, sondern auch der demographische Wandel die Wohnungswirtschaft vor große Herausforderungen stelle. Zentral seien die Schaffung von Barrierefreiheit und die Gewährleistung von selbstbestimmtem Wohnen im Alter. 
In drei runden Tischen wurden die aufeinander aufbauenden Themen Energieeffizienz von Gebäuden, Nutzerverhalten und intelligente Gebäude diskutiert. Neben dem Erfahrungsaustausch wurden auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich herausgearbeitet. Die Referenten stellten Praxisbeispiele und Finanzierungsmöglichkeiten für die Schaffung energieeffizienter Gebäude vor. Neben der Energieeffizienz in Gebäuden, die vor allem durch Wärmedämmung, dem Austausch der Fenster und der Optimierung der Heizungsanlagen erreicht werden kann, wurde das Nutzerverhalten der Bewohner thematisiert. Es wurde darauf verwiesen, dass sich Energie auch durch ein bewussteres Nutzerverhalten einsparen lasse. Die vorgestellten Initiativen aus Deutschland (Stromspar-Check für einkommensschwache Haushalte; Initiative für faire Energiepreise in Kaiserslautern) und Frankreich (Initiative „Families à Énergie Positive“) zeigen die Erfolge von systematischen Beratungen zum richtigen Nutzerverhalten in einkommensschwachen Haushalten. Auch durch den Einsatz moderner Gebäude- und Steuerungstechnik oder durch ein Energie-Monitoring könne der Energieverbrauch und letztlich die Energiearmut verringert werden. Formuliert wurde die Vision der Etablierung eines grenzüberschreitenden Marktes für moderne Gebäudetechnik. 

Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich bestehen bei der Definition von „einkommensschwach“, denn in beiden Ländern wird von unterschiedlichen Einkommensgrenzen ausgegangen. Aufgrund der unterschiedlichen territorialen Organisationsstruktur in beiden Ländern, unterscheiden sich auch die Strukturen zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus. In Deutschland obliegt der soziale Wohnungsbau den Bundesländern, der Bund beteiligt sich mit Ausgleichzahlungen an die Länder. Hinzu kommt die besondere Rolle der kommunalen Wohnungsunternehmen. In Frankreich dagegen verpflichtet der Zentralstaat die Gemeinden, auf ihrem Gebiet einen bestimmten Prozentsatz an Sozialwohnungen zu errichten und zu unterhalten. Die Finanzierung erfolgt über staatliche Subventionen, Steuerbefreiungen und Darlehen mit vergünstigtem Zinssatz.

Gerade die Erörterung der Unterschiede in beiden Nachbarländern zeigt, dass der Austausch von Erfahrungen und Wissen ein hohes Lernpotenzial bietet. Die Teilnehmer betonten auch, dass die identifizierten Gemeinsamkeiten eine wichtige Basis für die grenzüberschreitende Umsetzung der gesteckten Ziele bildet.


Tagungsbericht von Dr. Tobias Woll, EOR

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